Vielleicht verändern sich Gesellschaften nicht durch große Worte oder Entscheidungen von oben –
sondern durch die Art, wie wir jeden Tag unseren Fokus ausrichten.
Manchmal glaube ich, dass Reformen nicht deshalb ausbleiben,
weil „die Falschen“ Entscheidungen treffen –
sondern weil wir glauben, einzelne müssten sich nur umentscheiden.
Wir sind aber kein flinkes Segelboot.
Wir sind ein Kreuzfahrtschiff.
Schnelle Richtungswechsel sind nicht möglich –
viele Teile müssen mitarbeiten, und jede Änderung wirkt erst in der Zukunft.
Darum brauchen wir zeitgerechtes Handeln und Geduld.
Und wir müssen aufhören, Schuldige zu suchen.
Schuld findet fast immer eine Ursache im Außen, bei den anderen.
Wir sind selten und ungern Teil der Schuld –
und wenn, dann nur in einem kleinen Ausmaß.
Spätestens hier wird Verantwortung weitergeschoben:
Die anderen sollen sich ändern, damit ich so weiterleben kann –
weil mir ohnehin schon alles zu viel erscheint.
Das ist für wirtschaftliche und politische Netzwerke erwünscht.
Altkanzler Schüssel sagte einmal:
„Es gäbe zu viele Häuptlinge und zu wenig Indianer.“
Das hat sich geändert.
Es gibt immer mehr „Indianer“ –
Menschen, die angestrengt darum kämpfen, Stabilität im Alltag zu halten.
Wenn die Wirtschaft gegen die Umgebung arbeitet,
will sie Konsument*innen, die damit beschäftigt sind,
nicht unterzugehen.
Angst vor Verlust macht manipulierbar für Konsum.
Und die Änderung einiger weniger –
die die Notwendigkeit von Reformen nicht einmal selbst erfahren –
bewirkt nichts an Netzwerken, die längst auf Routinen aufgebaut sind.
Diese laufen weiter, egal, wer oben steht.
Nur: Worauf bauen diese Netzwerke auf?
Ich vermute:
auf den vielen kleinen Entscheidungen, die wir jeden Tag treffen.
Was passiert also, wenn wir jeden Tag zehn Minuten bewusst investieren –
fünf Minuten vor dem Schlafengehen
und fünf Minuten nach dem Aufwachen?
Am Abend:
noch wach, aber bereits auf die kommende Ruhe gerichtet.
Nichts, was heute noch offen ist,
kann in der Nacht gelöst werden –
jetzt beginnt die Regeneration.
Am Morgen:
wach, aber nicht sofort auf das aktuelle Geschehen gerichtet,
sondern auf die Zukunft.
Wie wird die Mosticon sein?
Ich werde Menschen treffen.
Ich werde meine Zeit genießen.
Ich werde gut essen.
Und die Tage bis dahin fülle ich mit Aufgaben, die mich genau dorthin bringen sollen.
Was ich plane, ist der Weg zu einem Ort, an dem ich ankommen möchte –
wenn auch nur vorübergehend.
Jeder Abend, der Energie tankt, und jeder Morgen, der die Richtung setzt,
baut die Stabilität der Zukunft auf.

Advent, Advent, ein Lichterl brennt.
Erst eins,
dann zwei,
dann drei,
dann vier – Schon steht die Zukunft vor der Tür.
Wohin gebe ich heute meine Energie,
damit morgen ein schönerer Tag werden kann?


