ich.

Ich bin.

Ich bin mit meinen 60 Jahren in einem Jetzt angekommen, das ein Stück frei ist.
Ja, die ersten Wehwehchen zeigen sich – ständiges Anpassen, Verhandeln und Scheitern hinterlassen Spuren.
Trotzdem bewegt sich alles erstaunlich gut.

Und sonst?
Meine Verpflichtungen und Verantwortungen sind ein Stück gewichen
und haben gezielteren Kontakten Platz gemacht.
Nicht nur zu anderen, sondern auch zu mir.

Diesen Platz nutze ich – auch, um mich in aller Ruhe zu einem kleinen Selbstpläuschchen zu setzen.

Mein unspiritueller Advent hat einen Kerzenkranz bekommen,
und damit einen Ankerpunkt zum Besinnen.
Ein Ort, an dem ich nicht arbeite und nicht „chille“,
sondern einfach sitze, den Kerzen zusehe, den Balkon beobachte
und die Ruhe entwickle, Fragen zu stellen,
auf die ich keine Antworten geben kann oder muss.
Schon gar nicht mit Garantiesiegel.

Und jetzt, in meinen 60ern, tue ich das,
was ich vielleicht lieber mit 20 getan hätte –
als alles machbar, eroberbar, bezwingbar schien.

Was hätte ich mich damals fragen wollen?

Wie soll meine Zukunft sein – und wie komme ich dorthin?
Wie soll die Zukunft meines Kindes sein –
und wen will ich als Begleiter auf diesem Weg dabeihaben?

Wie soll Zukunft überhaupt sein?
Soll sie bunt sein?
Oder ist es besser, ihr Farben vorzuschreiben –
einfach um jene zu schützen, die sich sonst überfordert fühlen?

Was machen wir mit denen, die diesen Farben nicht entsprechen?

Wie viele Arten zu leben kann eine Gesellschaft tragen,
ohne auseinanderzufallen?
Auf wie wenige Gruppen kann sich eine Gesellschaft reduzieren,
ohne in Kleingruppen zu zerbrechen?

Und in welcher dieser Kleinstgesellschaften würde ich leben wollen?
In der, in der Geld, Sicherheit und Erfolg regieren –
oder in der, in der mein Herz leben kann?

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