Warum friere ich? Vielleicht ist das die erste echte Frage eines Tages, noch bevor irgendetwas in mir beginnt, sich zu formen. Bevor ein Ich auftaucht, das sich über Vorsätze ärgern oder über Katzen wundern könnte.
Ich liege da, eingehüllt in eine Decke, die irgendwann in der Nacht zu kurz geworden ist – oder ich zu groß.
Ich frage mich, ob es eine Theorie gibt, die erklärt, wie winzig kleine Flauschbälle sich am Abend zusammenkauern und über Nacht zu flächendeckenden Lebensformen anwachsen können, die nicht nur den Raum, sondern auch die Decke in Anspruch nehmen.
Der Räuber erkennt, dass ich ausreichend wach bin und reagiert wesenskonform: mit einem Demand. Hunger. Jetzt. Aufstehen. Sofort.
Und so ist entschieden, was immer es ist, das sich entscheiden konnte. Ich bin aufgestanden.
Das Gesetz der Energie
Wenn Katzimir etwas ist, dann dieses formlos-drängende Etwas, das stets Energie verlangt. Ein kleines Schwarzes Loch, das in Erwartungskonformität auch eine weiße Unterseite hat – und Haare, ja, Herr Hawking, viele Haare.
Burgi hingegen schaut mich nur an, ruhig, unaufgeregt. „Weißt eh … aber wo er recht hat, hat er recht.“ Wenn es ums Futter geht, sind sie sich einig. Zumindest dann.

Ein guter Morgen fängt mit einem guten Kaffee an. Das gehört seit jeher zum Ritual: ein starker Kaffee aus der Bialetti. Er muss stark sein – bitter muss er sein. Die ganze Wohnung soll danach riechen, damit ich weiß, dass ich wach bin.
Echo der Kindheit
Aber was bin ich? In letzter Zeit erinnere ich mich häufiger an kleine Momente meiner Kindheit. Ich habe feste Strumpfhosen getragen, kurze Röcke, eine Bluse – weil man sagte, so ziehen sich Mädchen halt an.
Manchmal, als Vorrecht eines „verpatzten Buam“, auch die Lederhose, die ich zum Entsetzen meiner Mutter gleich im Sandhaufen eingeweiht habe. Lederhosen haben speckig zu sein. Das fand ich damals logisch.
Und ich erinnere mich an Zöpfe, die geflochten wurden, an das Stillsitzen und Warten, an die Musik, die ich mir innerlich mitgenommen habe.
Den Plattenspieler konnte ich nicht tragen, aber in meinem Kopf setzte ich den Spielarm vorsichtig auf: das Krachen, das Wabbern, dann der erste Ton. Entspannung. Daheim.
Die Linien zum Zentrum
Jeden Sonntag sind wir in die Kirche gegangen. Sie lag auf einem Hügel, und die Straßen der umliegenden Häuser und Dörfer führten sternförmig hin. Die Menschen bewegten sich wie kleine Punkte auf Linien.
Damals war die Kirche das Zentrum der Welt – zumindest meiner.
Was bin ich? Das frage ich mich immer öfter. Ich suche nach alten Schulbüchern, nach dem Lehrbuch über Neuropsychologie, nach irgendetwas, das erklären könnte, warum ich aufstehe, lange bevor ich weiß, wer aufsteht.



