Gold, Stuck und die Suche nach der Wolle
Wien ist prächtig, keine Frage. Das Wiener Herz ist ein stolzes – wir sind mit Marmor, Geschichte und einer gewissen Grandezza aufgewachsen. Und dann wandert man durch Leipzig und merkt plötzlich, dass man dort gar nicht mehr stolzieren kann.
Weil die gewohnten Häuser einem im Vergleich fast klein vorkommen. Weil der Wiener Marmor simpel wirkt im Vergleich zu dieser wuchtigen Kombination aus Schwarz und Gold. Während man in Wien den Literaten eher Besuche im Hotel Orient nachsagt (wer weiß das schon so genau…), schrieb Goethe in Leipzig weltberühmte Zeilen direkt im Auerbachs Keller.
Leipzig kommt mir auf jeden Fall älter und gleichzeitig jünger vor als Wien. Es gibt massenhaft Statuen – aber eben nicht nur ehrwürdige, sondern auch mutige, moderne. Es gibt massenhaft Gold, aber daneben auch ganz schlichte Ecken. Da sind die großen, weiten Plätze – und dann taucht man plötzlich ab in diese überdachten Höfe und Passagen, in denen früher der Handel pulsierte und die heute wie geheime Adern die Stadt verbinden. Es wirkt, als hätte man sich hier schon immer an Orten treffen wollen, die „halboffen“ sind – geschützt, aber doch mit dem Puls der Stadt verbunden.
Eine Reise besteht eben aus den großen Sehenswürdigkeiten und den kleinen Notwendigkeiten. Es war auch die Jagd nach Wolle und Kleinmaterial, die mich durch die Gassen trieb. Kulinarisch war es ein Auf und Ab: Das bekannte Wunschlokal war zu, der Ersatz okay, aber nicht der Rede wert.
Doch dann die Rettung: Eine Nachspeise im Rest eines Prunkbaus. In solchen Momenten fließen Architektur und Genuss zusammen. Man sitzt da, schaut sich die Statuen und Kirchen an und weiß: Der Weg hat sich gelohnt. Leipzig ist großartig. Ich werde nächstes Jahr sicher noch mehr erkunden, auch wenn ich mich dann wieder auf mein „kleineres“ Wien freue.



