Eine Reise auf gut Glück

Ich habe vor einiger Zeit zwei DIY-Filzpakete gekauft. Eigentlich nur, um zu üben.
Ein Halloweenmotiv mit einem Mädchen und die typische japanische Welle – vom „großen bösen Chinesen“, wie ich so oft sage.

Aber wir bleiben selten dort, wo wir uns am Anfang entschieden haben.
Und wenn ich genauer hinsehe, merke ich:
In meiner Freiheit zu entscheiden nehme ich gleichzeitig etwas für die Zukunft in Kauf: ein System, das Menschenrechte ziemlich großzügig übersieht und in dem die Interessen der Gruppe wichtiger gelten als die Rechte des einzelnen Menschen. Etwas, das uns Europäer angeblich so gar nicht passt – dessen Produkte wir dann aber trotzdem verwenden. Zumindest ich.

Diese beiden Filzbilder sind also auch ein kleines Geständnis:
Ich mache mit. Ich profitiere.
Und gleichzeitig höre ich nicht auf, Fragen zu stellen.
Ob diese Fragen die Bedeutsamkeit der Entscheidung übersteigen können, ist nicht an mir zu bewerten.
Ich kann nur fragen.

Zwölf Monate, zwei Motive, zwei Aspekte – und ein Strang an Fragen, der sich durch das Jahr zieht.

Wo werden wir ankommen?
Ob wir ankommen?
Wie werden die Bilder am Ende aussehen, im Vergleich zur perfekten Vorlage?
Ich weiß es nicht. Und ich will es nicht wissen.

Wenn wir – oder zumindest ich – bei jeder Entscheidung alle Konsequenzen für alles und jede sehen würden, würde ich irgendwann aufhören, mich zu bewegen. Ich würde aufhören, Entscheidungen zu treffen, und anfangen, nur noch die Nussschale meines Seins zu verstärken, statt sie zu öffnen.

Aber ich will mich bewegen.
Ich will lernen.

Darum starte ich diese Reise – gerade weil ich das Ziel nicht kenne.

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