Die vorgelebte Antwort

Die Seele als sichernder Kern, als Illusion oder als Gefängnis (?) Was ist es für d/mich?“

Mit dem Neuropsychologiebuch meiner Studienzeit in der Hand, halte ich inne.
Denn zuerst ist sie aufgetaucht
Die Kirche.
Die katholische.
Sie gehört zu dem Land,
zu den Dörfern,
zu den Menschen,
unter denen ich aufgewachsen bin.

Und sie gibt Antworten.
Von der Geburt an antwortet sie,
lange bevor wir Fragen stellen können,
und noch länger bevor wir lernen,
Antworten abzuwägen.

Wenn ich heute frage „Was bin ich?“,
findet mein Denken zuerst diese alte Antwort –
eine Antwort, die sich nicht belegen muss,
weil sie sich auf die unbegreifliche Existenz eines Gottes stützt:

Eine ewige Seele.
Unverlierbar. Stabil. Vorbestimmt.
Nur in kleinen Variationen offen, wie ein Weg mit vorgegebenen Kurven.

Diese Stimme war und ist in Liedern,
in Trostwörtern,
in Ritualen,
im Jahreskreis,
in den Bildern an den Wänden,
in der Art, wie man mir sagte,
dass ich gemeint sei
und gewollt
und beobachtet
und geführt.

Wenn es nach dieser alten Antwort geht,
dann hat also eine vorbestimmte Seele entschieden,
für meine Katzen aufzustehen.
Viel Freiraum lässt das Modell nicht,
aber meine Katzen sind zumindest dankbar
und – für die nächsten fünf Minuten –
nicht mehr hungrig.

Ich habe diese Antwort nicht bewusst gewählt.
Sie wurde einfach mitgeliefert,
wie die Strumpfhosen,
die geflochtenen Zöpfe
und die sonntäglichen Wege den Hügel hinauf.

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