Warum man bei Otto Wagner serviert, statt badet
Ich weiß nicht, wie oft ich im Laufe meines Lebens an der Schleusenanlage und dem Wehrtum vorbeigefahren bin. Das erste Mal war, als ich mit dem Rad zur Uni fuhr – in einer Zeit, in der es keine Radwege, aber auch weniger Autos gab.
Und doch ist kein wirklicher Gedanke an diesem Ort hängen geblieben. Eher nur dieses flüchtige „Was soll das eigentlich?“
Der Name der Anlage hat meine uninteressierte Aufmerksamkeit eher getäuscht.
Kaiserbad – aha.
Das klang nach Funktion, nach Badehaus, nach irgendeiner Nutzung. Zumindest theoretisch.
Denn tatsächlich gab es das Kaiserbad schon lange nicht mehr, als Otto Wagner beweisen wollte, dass auch reine Zweckbauten schön sein können. Ein Steven Jobs unter den Architekten, sozusagen.
In der Zwischenzeit hat die Wehranlage ein Restaurant, das sich an das Wasser schmiegt.
Und die Badefunktion entlang des Kanals wurde längst vom Badeschiff übernommen.
Im Wasser seiend, trockenen Fußes hineinzusteigen, lässt man sich heute etwas kosten.
Hoffentlich gibt es Pommes und Ketchup im Angebot, zumindest das, weil was ist ein Badeausflug ohne dem Dreamteam der Kindheit?
💡Das ursprüngliche Kaiserbad war ein einfaches Sommerbad am rechten Ufer des Donaukanals und wurde 1899 abgerissen. Der Name blieb jedoch bestehen und ging auf die neue technische Anlage über: Zwischen 1904 und 1908 entstand hier die Wehranlage und Schleuse Kaiserbad. Das dazugehörige Schützenhaus wurde von Otto Wagner entworfen — als Beispiel dafür, dass selbst Zweckbauten architektonisch anspruchsvoll sein können.
Die Schleusenfunktion verlor die Anlage schon im 20. Jahrhundert; übrig blieb die künstliche Schleuseninsel und das denkmalgeschützte Schützenhaus am Wasser. Heute befindet sich darin wieder ein Restaurant — ein neuer Nutzungskreislauf an einem Ort, dessen ursprüngliches Bad längst verschwunden ist.














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