Unterwegs mit meiner Ma. Unsere Reise führt uns weiter in die Zwillingsstadt Wiens: nach Bratislava, dem alten Pressburg. Die erste Entscheidung des Tages ist gefallen: Gegen die Straßenbahn und für das gute alte Schuhwerk. In einer fremden Stadt, in der man die Stationen zum „Einfädeln“ und „Abspringen“ noch nicht (mehr) kennt, ist ein Plan aus Papier oft die sicherere Wahl.

Unser Weg führt uns am „hässlichsten Haus Bratislavas“ vorbei – dem Slowakischen Rundfunk. Es ist eine gewaltige, umgedrehte Pyramide aus den 80ern. Mich erinnert dieses kontroverse Gebäude an die Wiener Staatsoper. Zur Bauzeit wurde sie wegen ihrer gedrungenen Form als „versunkene Kiste“ verspottet, was den Architekten Eduard van der Nüll so schwer traf, dass er sich das Leben nahm. Doch der Kunstbegriff wandelt sich mit den Menschen, die durch die Kunst wandeln: Heute ist die Oper das Herz Wiens, und auch die Pyramide in Bratislava gehört längst zum unverwechselbaren Gesicht der Stadt.
Wenig später erreichen wir den Universitätscampus. Hier liegt uns die Geschichte der Stadt buchstäblich zu Füßen. Der Boden ist bedeckt mit einem Chaos aus Namen, Titeln wie „Ing.“ und Jahreszahlen – alles in Weiß und Blau direkt auf den Gehsteig gemalt. Es ist eine Absolvententradition: Jedes Jahr verewigen sich die Studierenden neu. Ein Archiv aus Energie und Stolz, das jedes Jahr neu übermalt wird und so der nächsten Generation Platz macht. Ein Moment, in dem man kurz sagen will: „Wir waren hier“.





