Im Dazwischen.
Es gibt diesen einen Moment in Bratislava, wenn man die Trinitarierkirche hinter sich lässt und sich traut, zwischen den Häusern zu suchen. Da ist dieser Spalt in der Häuserfront, der in ein anderes Jahrhundert zu führen scheint.
Man tritt hindurch und dann, in diesen drei Sekunden, die unsere Gegenwart ausmachen, findet man sich unvermittelt im ‚Dazwischen‘ wieder. Links und rechts flankieren die Statuen des heiligen Johannes von Nepomuk und des heiligen Michael den Weg. Schräg vorne fällt der Blick in einen verwitterten Hinterhof mit blinden Fenstern und entsprechend dieser Jahreszeit, einer karge Botanik. Rechts hinabsehend entdeckt man zwischen den Steinverzierungen des Geländers einen kleinen Steinengel im historischen Garten der alten Apotheke.






Hinter mir, hinter der Häuserfront, liegt das neue Bratislava. Vor mir das alte Stadttor mit dem Versprechen einer versunkenen Welt. Und man selbst ist weder in der Luft noch am Boden, sondern so sehr dazwischen, dass es dazwischener nicht geht – auf einer Brücke über dem ehemaligen Burggraben. Es ist fast so, als hätte die Stadt hier ihre Schichten offengelegt, nur hinschauen muss man selbst.
Ich halte inne, ich drehe mich bedächtig im Kreis. Es gibt so viel zu sehen, bevor ich endgültig in das alte Bratislava eintauche.



