„Ich war nicht draußen“

Es ist kalt in Wien. Kein Wunder, es ist Winter. Aber es ist sogar zu kalt, um mit dem Rad zu fahren: zu feucht, zu vereist, zu rutschig.

Damit erreiche ich meine vertrauten Plätze am Donaukanal nicht – schon gar nicht jene hinter der Friedensbrücke, die nicht mehr auf meinem Arbeitsweg liegen, die ich aber dennoch besuchen und erforschen möchte.

Stattdessen habe ich den Blick auf meinen Balkon. Er wurde im Frühwinter verpackt, damit die Pflanzen überwintern können. Und hoffentlich auch all die Miniwesen, die für mich arbeiten, um den Balkon im Frühling wieder in einen Dschungel zu verwandeln.

Für nächstes Jahr ist einiges geplant: Ich möchte so vielen Pflanzen wie möglich Platz geben und eine möglichst durchgehende Blüte erschaffen. Der Balkon ist exponiert gelegen. Wenn der Wind weht, dann „zaht er ordentlich rein“. Ein Teil liegt im Schatten, Teile in der Mittagssonne. Da stehen eine Bank, ein Weinstock und Erdbeeren.

Unter den Erdbeeren, tief in der Erde, weiß ich eine Raupe des Eulenfalters. Irgendwann wird sie hoffentlich aus der Tiefe schlüpfen. Die eigentlichen Endgegner aber sind die Wegameisen. Ich habe sie beobachtet, wie sie weiße Kugeln vom Weinstock hoch ins Labkraut transportiert haben, um sich dort einzunisten. Diese Winzlinge kommen durch Fugen, die weit unter meiner Wahrnehmung liegen, und betreiben ihre ganz eigene Logistik.

Bisher haben sich die Endgegner bei mir aber als Softies herausgestellt. Die Schnecken, die am Acker außer Rand und Band sind, bilden bei mir eine stabile Population. Die paar, die da sind, sind mir willkommen. Sie überwintern im Kartoffeltopf, die Asseln unter den Ritzen, die Tausendfüßer in den Blumenkisten. Die Spinnen sind zu mir in die Wohnung gezogen. Bislang ist es eine gute Koexistenz.

Ich mag meinen Balkon. Meine Katzen übrigens auch. Im Winter ist er unaufgeräumte und ich bin kaum draußen. Aber bald… nur noch bis März oder April. Dann werden die Kisten ausgepackt und die Tannenzweige versorgt. Dann wird sich zeigen, ob die Blumenzwiebeln der Frühblüher aufgehen – und ich werde meine Idee vom Biotop mit der Realität vergleichen.

Leben ist schön. Immer.

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